Karl Trauner, Christoph Fackelmann: Vergessene Dichter – verschwundenes Wort. Porträts und Skizzen zur deutschen Literaturgeschichte des 20. Jahrhunderts: Herrmann Löns, Franz Karl Ginzkey, Franz Spunda und Josef Weinheber. Eckartschrift 205, 128 Seiten mit zahlreichen Abbildungen, Anmerkungen, Nachweisen und Literaturangaben. € 8,20

Es ist wahr: Das dichterische Wort unterliegt dem Wirrsal der Zeitläufte. Moden des literarischen Geschmacks, weltanschaulicher Werte- und politischer Gesinnungswandel: davon ist abhängig, welches Schicksal die Zeugnisse des dichterischen Schaffens vergangener Epochen bei der Nachwelt erfahren. Die deutsche Literaturgeschichte des frühen und mittleren 20. Jahrhunderts kennt besonders schwerwiegende Konflikte und Veränderungen in der Schaffenskultur, sodass die Gültigkeit dessen, was die Großelterngeneration gelesen, geschätzt und gepriesen hatte, bereits von der Elterngeneration gründlich in Zweifel gezogen wurde, und die dereinst verehrten Werke und ihre Verfasser von den Enkeln schon wieder weitgehend vergessen erscheinen.

Womit hat dies zu tun? Mit den politischen Katastrophen der dreißiger und vierziger Jahre, mit einem gewaltigen Traditionsbruch nach der Jahrhundertmitte, mit dem um sich greifenden Verlust an eigener Geschichte? Und ist das Vergessenwerden ein gerechter Vorgang, der nur solche Erscheinungen trifft, die es „verdient“ haben, oder gar ein gleichsam naturnotwendiger Prozess, der das Schwache, Schädliche aussiebt?

Das Buch geht diesen Fragen anhand ausgewählter Fälle nach: Von einer allgemeinen Problemskizze eingeleitet, zeichnet es die Porträts dreier Dichter, deren Ruhm verklungen ist bzw. deren Gestalt ganz entscheidenden Veränderungen in der Wahrnehmung unterzogen wurde: Hermann Löns (1866–1914), der große norddeutsche Naturschilderer und einer der Lieblingssänger der Jugendbewegung, Franz Karl Ginzkey (1871–1963), der romantisch-besinnliche Dichter des alten Österreich und Schöpfer vielgeliebter Balladen und Kinderbücher, sowie Franz Spunda (1890–1963), der „Erfinder“ des Magischen Romans und Verfasser mitreißender mythologischer und historischer Erzählungen. Ein abschließendes Kapitel stellt das erste Hauptwerk des Lyrikers Josef Weinheber (1892–1945) vor: „Adel und Untergang“ (1934), ein Buch von beeindruckender Kraft und Dichte, von atemberaubender künstlerischer Vielfalt, das den großen, jedoch heute vergessenen oder in Verdacht geratenen Erfolg des Dichters begründete.

Was spricht dafür, diesen Dichtern trotz allen Zweifeln auch heute noch, ja gerade heute wieder eine Chance zu geben? Die Sammlung will zu literarischen Entdeckungsreisen einladen und zu Verantwortung gegenüber dem Kunstgeist in deutscher Sprache aufrufen.

Bestellen: info@oelm.at