Wie sind die Wolgadeutschen, „zerstreut in alle Welt“? Der Titel bringt die ganze Spannweite der über 250-jährigen Geschichte der Wolgadeutschen – einer deutschen Minderheit im Russischen Reich und der späteren Sowjetunion, die sich im Zuge der Auswanderung aus Deutschland (überwiegend aus Rheinhessen und der Pfalz, aber auch aus Württemberg, Baden, dem Elsass und Franken) im 18. Jahrhundert rechts und links der unteren Wolga in geschlossenen Siedlungen niederließen. Die Wolgadeutschen, so seitdem die Bezeichnung, haben ihre deutschen Mundarten, ihre Kultur, ihre Traditionen und den Glauben der Vorfahren jahrzehntelang aufrechterhalten.
Einst von den russischen Zarin Katharina II. gerufen und mit Privilegien bedacht, die in den Jahrzehnten danach Schritt für Schritt aufgehoben wurden; zwischendurch auf der Suche nach neuen Wahlheimaten in Nord- und Südamerika aufgebrochen; im Russischen Reich und der späteren Sowjetunion verdächtigt und verfolgt, aber innerhalb einer Autonomie im Wolgagebiet immerhin toleriert; nach dem Ausbruch des deutsch-sowjetischen Krieges 1941 pauschal angeklagt, massenweise nach Sibirien und Kasachstan deportiert und ausgebeutet; zuletzt mehrheitlich wieder in das Land der Vorfahren zurückgekehrt.
2018 jährt sich der Gründungstag der wolgadeutschen Autonomie zum 100. Mal, das Jahr 2019 markiert 95 Jahre seit der Gründung der Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik (ASSR) der Wolgadeutschen in der ehemaligen Sowjetunion. Für viele Wolgadeutsche der älteren Generation, aber auch für ihre Nachkommen, ist die Faszination der Wolgaheimat und der Wolgadeutschen Republik, auch wenn sie dort über Jahre Schreckliches erleben mussten, ungebrochen geblieben. Bis heute.

Bestellung unter: info@oelm.at