Heinz Wamser: Proveis. Eine Bergbauerngemeinde in Südtirol – ihre Familien und Höfe. Eckartschrift 87a, 16 Seiten.

Der Name der Gemeinde Proveis hat in der volklichen Schutzarbeit einen guten Klang, wirkte doch hier fast ein halbes Jahrhundert lang Franz Xaver Mitterer als Kurat. Er war es, der sich nicht nur um die Kirche, die wirtschaftliche Entwicklung, sondern vor allem um die Errichtung eines ordentlichen deutschen Schulwesens sorgte. Der italienische Bezirksrichter Zaneti von Cles wollte die Schule wälsch machen und sagte ihm dafür finanzielle Unterstützung zu. Kurat Mitterer lehnte ab. 1880 schrieb der Arzt Dr. Lotz aus Frankfurt/Main, angeregt von Mitterer, das Büchlein „Aus den Bergen an der deutschen Sprachgrenze in Südtirol“. Dies führte im Mai 1880 zur Gründung des „Deutschen Schulvereines“, der bereits im Oktober 1880 einen Betrag von 2000 Gulden zum Bau der Schule in Proveis widmete, und auch weiterhin die Proveiser Schule unterstützte.

Aus Anlaß des Neubaues der Schule in Proveis, für die die Österreichische Landsmannschaft die gesamte Inneneinrichtung für die Klassenzimmer, das Lehrer­zimmer, den Turnsaal und die Schulküche beigesteuert hat, ist diese Schrift entstanden.

Die Geschichte einer so abgelegenen Berggemeinde spielt sich in seinen Familien und Höfen ab. Hier wird keine Landespolitik gemacht, wohl aber wirkt sich diese in abgeschwächtem oder auch vollem Ausmaße auf das Leben in der Gemeinde aus. Proveis unterstand dem bischöflichen Hofe zu Trient, der seit der Zeit um 1500 ein immer stärker werdendes italienisches Gepräge erhielt. So war die Verwaltung, war das Gericht immer stärker von Italienern besetzt, welche nur in ihrer Sprache redeten, schrieben und Urkunden ausstellten, die der Bergbauer nicht verstand. Da auch die zuständige Pfarre im italienischen Rumo lag, die fast ausnahmslos Italiener nach Proveis entsandte, die nur wenig deutsch verstanden, so ist es fast unerklärlich, wieso Proveis und die anderen Gemeinden der „Deutschgegend“ ihre altererbte Muttersprache bis heute so treu bewahrten, denn erst seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts trat eine Wende ein: Deutsche Geistliche und Lehrer kamen, die Verwaltung lag aber noch immer in fremden Händen. Unter der Herrschaft des Faschismus sollte das Deutschtum völlig ausgerottet, die deutsche Sprache verboten werden. 1927 wurde die Gemeinde aufgelöst und mit Rumo vereinigt, 1949 wieder selbständig und von der Provinz Trient abgetrennt und mit der Provinz Bozen vereinigt.