Ernst Frank: Mein Böhmen. Eckartschrift 53, 45 Seiten, brosch.

Das Sudetendeutschtum ist im allgemeinen erst sehr spät zu einem eigenen Schrifttum gekommen: die Kolonisten roden in harter Arbeit, aber sie schreiben nicht. Erst die Urenkel greifen zur Feder, um zu sagen, was sie auf dieser Erde empfinden. Eine Ausnahme bildet neben der Großstadt Prag seit dem großen Gesprächsbüchlein „Der Ackermann und der Tod“ nur das westliche Böhmen, das deutsche Egerland. Kein Wunder, es war ja eigentlich der Raum Eger eine alte Reichslandschaft, die erst 1322 von Ludwig dem Bayer an den Böhmenkönig Johann von Luxemburg verpfändet worden ist. Dennoch hat die Egerländer nach 600jähriger Zugehörigkeit zum böhmischen Raum die Härte der Vertreibung getroffen. Auch Ernst Franks Versuch „Mein Böhmen“ ist ein Gesprächsbüchlein, freilich eher ein Selbstgespräch, das in die Tage der Jugend erinnernd zurückführt und mit den Augen des vor einem Menschenalter Vertriebenen ein Böhmen sieht, das es nur mehr im Herzen geben kann.

Böhmen, das ist Schicksal eines Raumes der Mitte zwischen zwei Nationen. Davon berichtet dieses Büchlein. Im Gegensatz etwa zu dem Essaybuch von Willy Lorenz „Monolog über Böhmen“, das die Dinge aus der deutsch-tschechischen Sicht eines Pragers sieht, betrachtet Ernst Frank Böhmen aus dem Blickwinkel Karlsbads, aber er sieht auch vom erhöhten Horizont einer Ballonfahrt auf das ganze Böhmen nieder. Diese Schau ist für die meisten Sudetendeutschen legitim: Schicksal und Erbe, Aufgabe und Bewährung zugleich.