Walter Marinovic: Deutsche Dichtung in Österreich. Schönherr – Weinheber – Waggerl. Eckartschrift 143, 108 Seiten, € 6,40

Der gebürtige Südtiroler Karl Schönherr war viele Jahrzehnte lang der anerkannte Bühnenautor für Volksstücke, die vorerst durch das hervorragende Ensemble der Innsbrucker Exlbühne bekannt wurden, aber bald nicht nur am Wiener Burgtheater, sondern auch im gesamten deutschen Sprachraum auf den Spielplänen standen. Er verstand es, mit seiner Themenwahl, in der Volk und Heimat im Mittelpunkt standen und den Figuren, die meist vom naturhaften Bauerntum geprägt waren, den Zuschauern das zu bieten, was sie zu dieser Zeit bewegte: die bedrohte Heimat, die Liebe zum Vaterland und die dazugehörigen vorbildhaften Menschen. Erst mit dem Überhandnehmen des „absurden Theaters“ und der zeitbezogenen Stücke nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es immer stiller um den größten Dramatiker Tirols. 1993, zu seinem 50. Todestag, gab es keine einzige Veranstaltung ihm zu Ehren im ganzen Land.

Auch der Wiener Josef Weinheber gehört heute zu den anscheinend absichtlich Totge­schwie­genen. Obwohl er in seinem Gedichtband „Wien wörtlich“ seiner Vaterstadt wie kaum ein anderer Dichter vor und nach ihm ein bleibendes Denkmal gesetzt hat, schwieg 1992 zu seinem 100. Geburtstag das offizielle Wien, seine Gedichte verschwanden aus den Lesebüchern, und auch der nach ihm benannte Platz in Wien-Ottakring soll umbenannt werden.

Tausende Menschen werden sich noch an die bis in die sechziger Jahre veranstalteten Advent­lesungen unter dem Titel „Das ist die stillste Zeit im Jahr“ erinnern. Karl Heinrich Waggerls Worte füllten nicht nur das Festspielhaus in Salzburg und die Säle in Wien, in allen deutschen Landen lauschte man zur Vorweihnachtszeit seinen Vorträgen. Der Grund für seine Beliebtheit war die natürlich-schlichte Aussage, die jedem zu Herzen ging und die in seiner entbehrungsreichen Kindheit und Jugend im salzburgischen Wagrain seine Wurzeln hatte.

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