Michael Kroner: Nationale Minderheiten in Südosteuropa. Verfolgung, Flucht, Vertreibung und Umsiedlung. Eckartschrift 121, 59 Seiten, zahlreiche Abbildungen, Karten.

Viele Jahre war die Aufmerksamkeit der Welt auf die Ost-West-Konfrontation konzentriert und die wenigsten ahnten, welche nationalen Gegensätze sich hinter dem so felsenfest geglaubten Monolithen „Ostblock“ verbargen. 1989 ist das kommunistische System wie ein Kartenhaus zusammengefallen, die Republiken der ehemaligen Sowjetunion haben sich zu einer Gemeinschaft Unabhängiger Staaten konstituiert und die vielen Konfliktstoffe treten hervor: Die Trennungswünsche in der Tschechoslowakei und die Auflösung des jugoslawischen Staates.

Die Eckartschrift zeigt die Ursachen, Hintergründe und Auswirkungen der nationalen Konflikte in diesen Gebieten auf, wobei er den wesentlichsten Grund der Entstehung dieser Probleme darin sieht, dass die Nachfolgestaaten des Osmanischen Reiches und der Habsburger Monarchie die in diesen Zeiten entstandene Vielvölkerlandschaft nicht anerkennen wollten und wollen. In ihrem Versuch, rein nationale Territorien abzugrenzen, gerieten sie immer wieder mit den Nachbarstaaten in Gegensätze und betreiben seit je eine Diskriminierungspolitik, die zur Zeit wieder offen zu Tage tritt und der die westlichen Staaten sichtlich machtlos gegenüberstehen. Die verschiedensten Auswirkungen dieser Nationalitätenpolitik, wie Assimilierung, Enteignung, Flucht, Aussiedlung, Bevölkerungsaustausch bis zur Vertreibung, Völkermord und Krieg schildert Michael Kroner in sachlicher, aber daher oft umso ergreifender und eindringlicher Form und zeigt schonungslos ein unrühmliches Kapitel der europäischen Geschichte auf, das leider in absehbarer Zeit noch nicht abgeschlossen sein wird.