Die deutsche Besiedlung erfolgte in einem ununterbrochenen Vorgang vom 12. bis zum Anfang des 15. Jahrhunderts. Sie wurde erst durch die Einfälle der Tataren (12. Jahrhundert), Mongolen (1241) und der Hussiten (1425) unterbrochen. Die Spuren dieser frühen Besiedlungswellen sind noch in Orts- und Familiennamen erhalten. Dreimal riefen auch die Habsburger zu umfangreichen Ansiedlungen auf, die als die Karolinische unter Karl VI. mit 60.000 Kolonisten vornehmlich aus Schwaben, Fanken, Hessen und der Pfalz, die (Maria-)Theresianische und die Josephinische Ansiedlungswelle unter Josef II. in die Geschichte eingingen. Die Siedler erhielten Steuerfreiheit, Baumaterial für ihre Häuser, die sie nach eigenen Entwürfen bauten und ihren Kindern vererben durften, und die Freiheit, Pfarrer, Lehrer und Hebammen zu bestimmen. Diese günstigen Bedingungen sicherten Wachstum und Whlstand der Bevölkerung, was auch vereinzelt Deutsche aus Galizien, der Bukowina, aus der Zips und aus Österreich anlockte.

Im 20. Jahrhundert brachen Mord, Entrechtung und Vertreibung über die Volksgruppe herein. Schon die Wirren unmittelbar nach dem 1. Weltkrieg haben viel zerstört. Dann kam der Holodomor 1932/33, der in der Ukraine etwa 5 Millionen Hungertote forderte. Die entscheidend katastrophale Aktion war der Stalin-Ukas von August 1941, mit dem alle Deutschen in den Fernen Osten, v. a. nach Kasachstan und in andere Gebiete östlich des Ural, umgehend zwangsverbracht wurden – meist noch mit Zerreißung der Familien und Sippen. Nur wenige entkamen dem Stalinistischen Terror, Verschleppung, Zwangsarbeit, Folterungen und Gewaltverbrechen aller Art standen auf der Tagesordnung, nur, weil sie Deutsche waren. Die wenigen Überlebenden, die nicht vertrieben wurden, mußten erleben, wie das jahrhundertelang Aufgebaute enteignet und sie ihrer Bildungs- und Berufsmöglichkeiten beraubt wurden. Und doch haben viele ihr kulturelles Überleben geschafft, so gibt es in dem sehr großen Gebiet der Ukraine mit einer ehemals vielfältigen deutschen Volksgruppe trotz aller Verfolgungen derzeit etwa 100 deutsche Vereine mit unterschiedlichen Bezeichnungen. Durch die furchtbaren Ereignisse der beiden Weltkriege, der sowjetischen Zeit zwischen, während und nach dem 2. Weltkrieg ist die Lage außerordentlich unterschiedlich.

Neben ganz kleinen Gruppen von Personen, die all die Terrorjahre daheim überlebt hatten, gibt es vor allem deutschstämmige Familien aus den Verbannungsgebieten, oft Kasachstan. Viele von ihnen hoffen auf eine Möglichkeit, ins deutsche Mutterland auswandern zu können.

Derzeit existiert ein deutscher Dachverband, das Ukrainisch-Deutsche Forum in Kiew und Odessa. Äußerst nützliche Arbeit leistet die gtz, die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit, die in Munkatsch/Munkacewo, Czernowitz und Königsfeld/Ust Corna mit Deutsch-Mokra/Komsomolsk tätig ist. Die Österreichische Landsmannschaft, das Soziale Friedenswerk und andere Organisationen, auch aus seinerzeitigen österreichischen Herkunftsgebieten (v. a. Salzkammergut) leisten zusätzlich wertvolle Arbeit.

Zu all dem gibt es einiges an Literatur, oft in Verbindung mit dem reichhaltigen Schrifttum zu der Geschichte der Russlanddeutschen.

Wolfgang Steffanides, Wien