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Kroatien

Donauschwaben ist ein Sammelbegriff für die im 17. bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in die Länder der Stephanskrone ausgewanderten Deutschen, deren Siedlungsgebiete längs des Mittellaufs der Donau in der Pannonischen Tiefebene lagen. Die Ansiedlungen beschränkten sich anfänglich auf die Militärgrenze, einer Kette habsburgischer Militärbezirke entlang der Grenze zum Osmanischen Reich. Diese Militärgrenze blieb bis Ende des 19. Jahrhunderts kaiserliches Kronland, während die restlichen, jedoch größeren donauschwäbischen Siedlungsgebiete der ungarischen Komitatsverwaltung eingegliedert wurden.

Nach dem Zerfall der Österreichisch-Ungarischen Monarchie als Folge des Ersten Weltkrieges wurden die Siedlungsgebiete der Deutschen in Ungarn durch die alliierten Mächte dreigeteilt. Ein Teil verblieb bei Ungarn, der zweite Teil wurde Rumänien zugeteilt und der dritte Teil fiel an den neu gegründeten Staat SHS (Jugoslawien). In der Endphase des Zweiten Weltkrieges flüchteten viele Donauschwaben, wurden ermordet, verschleppt, vertrieben oder in Vernichtungslager eingewiesen. Im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts lösten sich viele der deutschen Siedlungen durch große Auswanderungswellen weitgehend auf.

Neun Jahre nach der Schlacht am Kahlenberg bei Wien 1683, fünf Jahre nach der Zweiten Schlacht bei Mohács 1687 und drei Jahre nach der Rückeroberung Ofens 1689 erschien das erste Kaiserliche Impopulationspatent „[…] zur besseren Auffhelfung, wieder Erhebung und Bevölkerung derselben“. In mehreren kleineren und drei großen Schwabenzügen fand die planmäßige Wiederbesiedlung der nach den Türkenkriegen größtenteils entvölkerten pannonischen Tiefebene statt. Die österreichischen Ansiedelungspolitik (Politik von Prinz Eugen von Savoyen, Karl VI. und Claudius Florimund Mercy, Kolonisierungs-Patent von Kaiserin Maria Theresia, das Ansiedlungspatent von Kaiser Joseph II, und die Politik des von Franz II begünstigte die Ansiedlung von Steuerzahlern. Die vordergründigen Bedingungen für die Ansiedlung waren:

  • Anerkennung des Kaisers aus dem Hause Habsburg als Oberhaupt,
  • katholischer Glaube (bis Kaiser Josef II. diese Bedingung wieder aufhob),
  • Verpflichtung zur Verteidigung der Militärgrenze.

Innerhalb des Auswanderungsraumes ragten Lothringen, Elsass, die Pfalz, Rhein- und Mainfranken besonders hervor, aber auch Schwaben, Franken, Bayern, Hessen Böhmen, Innerösterreich, Österreichische Niederlande (heute: Luxemburg, Belgien) hatten zeitweise einen größeren Anteil. Im gesamten mittleren Donauraum wurden die deutschen Siedler von ihren madjarischen, südslawischen und rumänischen Nachbarn Schwaben genannt, obwohl diese Bezeichnung nur für weniger als 5% der Ansiedler zutraf.

Die heute so genannten Donauschwaben wurden als Pioniere des Merkantilismus angesiedelt unter der Maxime: „Ubi populus ibi obolus“. Sowohl in Süddeutschland und Elsass-Lothringen als auch in Südserbien wurden Bauern und Handwerker aus unterschiedlichen Gründen frei. Ziel der Habsburger war die Wiederbelebung des Wirtschaftslebens in der damals wirtschaftlich brachliegenden Wojwodina. Die Batschka und das Banat, hier in erster Linie die Militärgrenze, waren die bevorzugten Siedlungsgebiete der von der Hofkammer geregelten Ansiedlung; sie waren im wesentlichen Endstation der drei „großen Schwabenzüge“.

Siedlungsgebiete

Der donauschwäbische Siedlungsraum unterteilt wie folgt:

  • das Siedlungsgebiet im südöstlichen Ungarischen Mittelgebirge zwischen Raab, Donauknie und Plattensee, mit dem Zentrum Budapest mit Ausnahme Ost-Burgenlands,
  • die Schwäbische Türkei südwestlich des Plattensees zwischen Donau und Drau mit dem Zentrum Fünfkirchen,
  • Slawonien und Syrmien zwischen Save und Donau, mit dem Zentralort Esseg (Osijek),
  • die Batschka zwischen Donau und Theiß, mit dem Mittelpunkt in Neusatz,
  • das Banat zwischen Marosch, Theiß, Donau und den Ausläufern der Südkarpaten mit dem Zentrum in Temeswar,
  • Sathmar in der nordöstlichen Großen Ungarischen Tiefebene mit dem Mittelpunkt Großkarol.

Diese Gebiete gehörten zur Österreichisch-Ungarischen Monarchie. Nach dem Trianoner Friedensvertrag (1920) kamen

  • das Banat teils zu Rumänien, teils zu der Wojwodina (Serbien), deshalb nennt man es heute das rumänische oder das serbische Banat; ein kleiner Teil blieb in Ungarn,
  • die Batschka zu Jugoslawien (heute Serbien) ein Teil blieb in Ungarn,
  • Syrmien zu Jugoslawien (heute Kroatien und Serbien),
  • Sathmar zu Rumänien,
  • das Ofener Bergland bei Budapest und die Schwäbische Türkei liegen noch heute in Ungarn.

Jugoslawien

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts stellten die Deutschen mit rund 500.000 Menschen die drittgrößte Volksgruppe dar. Laut Volkszählung von 1931 waren 342.853 Donauschwaben in der Wojwodina (im Banat, der Batschka und in Syrmien) ansässig. Die Mehrheit lebte in ländlichen Gegenden, lediglich 16% in den Städten. Die Deutschen besaßen 31,2% des bestellbaren Bodens, waren mit 46,7% an der Industrieproduktion beteiligt und zu 40% in der Handwerksproduktion tätig. Damit stellten die Deutschen 55% des Bruttoinlandsprodukts. 11% der Ackerbaufläche der Deutschen waren Zwergbesitze unter 5 Joch (1 Joch = 0,575 ha), so genannte „Kleinhäusler, 36,6% waren unterer Kleinbesitz (unter 5 ha), 32,3% der deutschen landwirtschaftlichen Betriebe waren Kleinbetriebe (unter 10 ha), 25,4% Mittelbetriebe (unter 25 ha), 4,9% waren größere Mittelbetriebe (unter 60 ha) und nur 0,8% der landwirtschaftlichen Großbetriebe (über 60 ha) befanden sich in Händen von Donauschwaben.

Stadtansicht von Esseg/Ossijek

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden alle wehrfähigen Männer der Wojwodina von der Jugoslawischen Armee zum Kriegsdienst eingezogen. Nach der Kapitulation der jugoslawischen Armee wechselten die deutschen Männer der Batschka zur ungarischen Armee, waren aber auch aufgerufen, sich freiwillig in die SS zu melden. Angesichts des Vormarsches der Roten Armee wurden die Donauschwaben evakuiert. Die Evakuierungen aus der Batschka und dem Banat begannen zu spät: Die Beteiligung der deutschen Volkszugehörigen am Krieg gegen Jugoslawien diente Josip Broz Titos Partisanen als Begründung für ihre tödliche Politik gegen die deutsche Minderheit, die in den AVNOJ-Beschlüssen vom 21. November 1944 festgelegt wurde. Diese Beschlüsse enteigneten die Donauschwaben und entzogen ihre Bürgerrechte. Der nach dem Einmarsch der Roten Armee und der Partisaneneinheiten in der Wojwodina verbleibende Teil der deutschen Bevölkerung war in den ersten Wochen Massenerschießungen, Verhaftungen, Misshandlungen, Plünderungen, Vergewaltigungen und Zwangsarbeit ausgeliefert, woran sich auch ein Teil der Zivilbevölkerung beteiligte. Nach dem Kriegsende wurden die Donauschwaben in Lager in Jugoslawien gezwungen: Zentralarbeitslager für arbeitsfähige Männer, Ortslager für die Bevölkerung ganzer Ortschaften und Internierungslager für Arbeitsunfähige, Frauen, Kinder und Ältere. In allen Lagern war die ärztliche Versorgung mangelhaft, es kam zu Misshandlungen, Erschießungen und Vergewaltigungen, Zehntausende starben an Unterernährung und Krankheiten. 1948 konnten kleinere Gruppen ausreisen oder flüchten. Erst nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland gelang es Jugoslawien, die Ausreise der überlebenden Donauschwaben zu organisieren. In Jugoslawien lebten 1940 circa 550.000 Donauschwaben, 1990 nur noch 10.000.