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Belgien

Die Geschichte des deutschen Landesteils in Belgien ist überaus wechselvoll. Das Gebiet gehörte bis ins 12. Jahrhundert zum Herzogtum Limburg, fiel nach der Schlacht von Worringen an Brabant. Im 15. Jahrhundert fiel es durch Heirat an die Herzöge von Burgund, dann an die spanischen und 1713, nach dem Frieden von Utrecht, an die österreichischen Habsburger. Bis 1794 gehört der nördliche Raum, das Eupener Land, weitgehend zum Herzogtum Limburg und der südliche Raum, belgische Eifel, größtenteils zum Herzogtum Luxemburg. Manderfeld-Schönberg liegen am nördlichen Ende des Kurfürstentums Trier. In den Jahren 1794-1795 erobert das revolutionäre Frankreich die österreichischen Niederlande und somit auch das Gebiet der deutschen Volksgruppe.

Als die Landkarte Europas auf dem Wiener Kongress 1815 nach der Niederlage Napoleons neugeordnet wird, fallen das Eupener Land, die Eifel und ein Teil der ehemaligen Abtei Stavelot-Malmedy an das preußisch gewordene Rheinland (ab 1830 preußische Rheinprovinz) und bilden dort die Kreise Eupen und Malmedy. Deutsch wurde zur Amtssprache. Das Gebiet Neutral-Moresnet (Kelmis) wird unter preußisch-niederländische (ab 1830 preußisch-belgische) Doppelverwaltung gestellt, weil es wegen seiner reichen Galmeivorkommen von mehreren Staaten beansprucht wird.

Nach dem Ersten Weltkrieg musste das Deutsche Reich 1920 gemäß dem Vertrag von Versailles die „Kreise Eupen-Malmedy“ als Ostkantone an Belgien abtreten, die bis 1925 durch den General Herman Baltia kommissarisch verwaltet wurden. Danach wurde in Eupen und Malmedy eine Volksabstimmung durchgeführt, in der es um die Frage ging, ob die Region permanent von Deutschland abgetrennt werden und zu Belgien gehören sollte. Allerdings war diese Abstimmung nicht wie vertraglich bestimmt geheim, vielmehr wurden Name und Anschrift jedes Wählers erhoben. Es muss davon ausgegangen werden, dass das Ergebnis der Abstimmung massiv durch die Furcht vor Ausweisung oder anderen Repressalien seitens der Baltia-Verwaltung beeinflusst wurde. Da die ersten Protestierer unter großen Druck kamen (Ausweisung, Ausschluss vom Geldumtausch und bei der Verteilung von Lebensmittelkarten, Entlassung u.a.), wagten nur 271 der 33.726 Wahlberechtigten ihre Eintragung.

Eupen

Nach einer fünfjährigen Übergangszeit unter der Regierung des königlichen Hochkommissars General Herman Baltia wurde das Gebiet um Eupen, Malmedy, St. Vith und Neutral-Moresnet (Kelmis) 1925 in den belgischen Staatsverband eingegliedert. Während der Zeit von 1918 bis 1925 unterlagen die ostbelgischen Medien der Zensur. Zu dieser Zeit entstanden pro-Deutsche politische Organisationen wie die Heimattreue Front oder die Christliche Volkspartei. Ab 1926 waren die „Neubelgier“ aus Eupen-Malmedy vollwertige Belgier: Die belgische Verfassung und die belgischen Gesetze fanden nun auch auf sie Anwendung. Allerdings befand sich der belgische Staat in großer Finanznot und führte Geheimverhandlungen mit Deutschland, um das Gebiet gegen 200 Millionen Goldmark wieder abzutreten. Die Unterzeichnermächte des Versailler Vertrages taten ihre Zustimmung auf diplomatischem Wege kund, doch scheiterten die Verhandlungen am energischen Widerspruch Frankreichs. Die Gespräche über eine Wiedervereinigung wurden daraufhin abgebrochen. 1940 kam das Gebiet schließlich wieder zurück an Deutschland. Im September 1944 erkämpften sich die amerikanischen Truppen den Weg nach Deutschland; nach dem Krieg wurde das Gebiet wieder dem belgischen Staat zugeschlagen und das deutsche Element vernichtet. Als Folge der Sprachgesetzgebung von 1963 wurde Belgien in drei Sprachgemeinschaften – flämisch, französisch, deutsch – aufgeteilt und 1970 umgesetzt.