Heute

1914 wurde das Schulvereinsgebäude vom mährischen Industriellen und Mäzen Robert Primavesi gestiftet. Seitdem ist es Sitz des Deutschen Schulvereins und der Österreichischen Landsmannschaft.

Die Österreichische Landsmannschaft unterstützt humanitäre Projekte und fördert die deutschen Volksgruppen in Europa bei der Erhaltung der uns gemeinsamen Sprache und Kultur. Seit ihrer Gründung wirkt sie für den Erhalt deutscher Kultur, wo sie bedrängt ist. Unabhängig von parteipolitischen oder konfessionellen Interessen vereint die Landsmannschaft viele Mitstreiter im Sinne der Stärkung von Kultur, Bildung,  Naturverbundenheit, Gesundheit, Familien- und Gemeinsinn. Bildung, Heimatkunde und Umweltschutz sind uns besondere Anliegen.

 

Dem Erbe verpflichtet

Nach der Aufflösung des Deutschen Schulvereins 1938 kam es im Jahre 1952 zur Gründung der Österreichischen Landsmannschaft (ÖLM). Sie trat die Nachfolge dieser verdienten Organisation an und folgt in ihren Absichten, Zielen und Bestrebungen ihren Traditionen. In den Anfangsjahren galt es allem voraus mitzuhelfen, die zahlreichen Heimatvertriebenen aus dem Sudetenland, der Slowakei, Ungarn, Rumänien und Jugoslawien in Österreich aufzunehmen und einzugliedern.

Silvius Magnago (1914 – 2010) war der ÖLM verbunden und schrieb diese Worte in einem Grußwort 1980. Als langjähriger Südtiroler Landeshauptmann (von 1960 bis 1989) trug er zur Erlangung der Autonomie Südtirols bei.

Besondere Aufmerksamkeit galt dem Schicksal Süd-Tirols. In ihrem Wirken im südlichen Tirol fand die Österreichische Landsmannschaft ihre erste große Aufgabe. Nach der Verwüstung durch den italienischen Faschismus und Nationalismus galt es erneut ein eigenes deutsches Schulwesen aufzubauen. Aus eigener Kraft waren die Süd-Tiroler dazu jedoch bis zum Inkrafttreten der Autonomie 1972 nicht in der Lage. Die ÖLM brachte viele Millionen Schilling auf, die als Hilfeleistung in Bau, Einrichtung und Ausstattung von Schulen und Kindergärten flossen. In Zusammenarbeit mit dem Süd-Tiroler Kulturinstitut wurden mehrere hundert Stipendien an Süd-Tiroler Studenten vergeben, die an österreichischen Universitäten studierten. Ebenso wurden Lehrlinge unterstützt, Werkstätten und Arbeiterwohnungen mitfinanziert. Mit dem Bestreben, den überlebenswichtigen Kontakt zum Mutterland Österreich aufrechtzuerhalten, organisierte die ÖLM für Jugendliche, Lehrer, Kulturvereine und Brauchtumsgruppen Reisen in unsere Alpenrepublik.

"Heimatrecht ist Menschenrecht" - Denkmal der vertriebenen Südmährer in Unterretzbach (Foto: GüntherZ)
„Heimatrecht ist Menschenrecht“ – Denkmal der vertriebenen Südmährer in Unterretzbach (Foto: GüntherZ)

Mit Ausnahme Süd-Tirols waren bei Kriegsende alle deutschen Sprachgebiete Alt-Österreichs Opfer eines systematischen Ethnozids durch eine menschenverachtende Massenvertreibung der deutschen Bevölkerung. Da diese Länder unter kommunistische Herrschaft gerieten, war eine direkte Hilfe für die noch in ihrer Heimat verbliebenen deutschen Volksgruppen nicht möglich. Erst 1989 mit der friedlichen Revolution, die zum Sturz des Kommunismus führte, und dem Ende des Kalten Krieges konnte die ÖLM auch in den Ländern des ehemaligen Ostblocks ihre Tätigkeit entfalten.

Seither ist die Zahl der Deutschen in Rumänien dramatisch gesunken, da viele die Gelegenheit nützten, nach den schrecklichen Jahrzehnten in ein deutsches Land zu übersiedeln. Nach dem Ende des Eisernen Vorhangs gab es bald wieder Verbindungen zu Siebenbürger Sachsen, Landlern und Banater Berglanddeutschen in Rumänien. Was mit freundschaftlichen Begegnungen zwischen Volkstanzgruppen angefangen hatte, mündete im „Arbeitskreis Siebenbürgen“ unter der Leitung von Dr.h.c. Barbara Schöfnagel. Von der ÖLM wurden gezielte und organisierte Hilfsaktionen ins Leben gerufen. Allen Schikanen der dortigen Behörden zum Trotz riss die Hilfe nicht ab, sondern wurde in Form von hunderten Bus- und LKW-Transporten auf oftmals abenteuerliche Weise über die Grenzen geschleust. Seither werden deutsche Schulen in Rumänien unterstützt, sowie kleine Wirtschaftsbetriebe, Altenheime u.a. der deutschen Volksgruppe, um deren Weiterleben in Siebenbürgen, im Banat und anderen Landesteilen zu ermöglichen.

Auch in Ungarn hatten die deutschen Volksgruppen unter der jahrzehntelangen kommunistischen Unterdrückung und dem Verbot der deutschen Muttersprache zu leiden, doch das Interesse an der Erhaltung der deutschen Kultur konnte nicht gebrochen werden. Daher konnte erstmals bereits 1988 von der ÖLM eine Sprachhelferin in einen ungarndeutschen Kindergarten entsandt werden. Von ihrer begeisterten Aufnahme angeregt wurde schließlich in der ÖLM der „Arbeitskreis Ungarndeutsche“ eingerichtet, dessen Tätigkeiten sich v. a. auf Schulen, Kindergärten, Kulturhäuser und Heimatmuseen konzentrierten. Große finanzielle Mittel wurden aufgewendet, die schon bald in österreichisch-ungarischen Schulpartnerschaften erste Früchte trugen. Die Gründung von ungarndeutschen Schulvereinen in den einzelnen Komitaten und deren Zusammenschluss in einen Bund („BUSCH“) kann wohl ebenso als Erfolg verzeichnet werden. Auch dank der tatkräftigen und finanzstarken Unterstützung durch die ÖLM ist eine deutliche Anerkennung der Ungarndeutschen durch den Staat heute Wirklichkeit geworden.

Ähnlich wie in Rumänien und Ungarn greift die ÖLM seit 1989 auch den deutschen Volksgruppen in Tschechien, der Slowakei, in Polen, Slowenien, Kroatien und Serbien stützend unter die Arme – viel Gutes wurde und wird bewirkt – und die Reihe der notwendigen Hilfeleistungen und förderungswürdigen Projekte reißt nicht ab.

Trotz verbesserten wirtschaftlichen, sozialen und organisatorischen Möglichkeiten gibt es noch viel zu tun, denn die eigene deutsche Kultur und Muttersprache stehen in nahezu allen östlichen Nachbarländern noch immer auf wackligen Beinen und bedürfen helfender Hände.

Dank der Förderer, der Mitglieder und nicht zuletzt auch Dank des Idealismus der Verantwortlichen in der ÖLM bleibt die Hoffnung auf würdevolles Weiterleben der deutschen Volksgruppen und darauf, dass diese Sprachinseln eine gute Zukunft haben, bestehen.